Turm der Sinne – geniales Museum in Nürnberg

turm der sinne

Ein Museum in einem Turm…wow, das klingt interessant. Aber da ist man sicher schnell durch, denn viel Platz bietet so ein Turm nicht, oder? Neja, die Grundfläche jedes Stockwerks ist tatsächlich eher bescheiden. Aber es gibt ja 4 Wände, auf die viele interessante Exponate und Experimentierstationen verteilt werden können. Und wenn man das Staunen noch dazurechnet, das jede Station auslöst, wird das Erlebnis im Turm der Sinne riesengroß.
Alles super also…bis auf unsere Wahrnehmung. Denn die sieht im Turm der Sinne so richtig alt aus. Wir können plötzlich nicht mehr sprechen, sehen merkwürdige Dinge, fallen um oder können werfen den Ball andauernd neben den Ring.

Das mag auf den ersten Blick erschrecken, hat aber zum Teil seinen Sinn und gehört zum Teil zu den Risiken und Nebenwirkungen des Gehirns, so erfährt man im Museum. Täuschungen gehören zur Wahrnehmung dazu, auch wenn die Suche nach einer Gestalt zuweilen zu einer Sucht wird. Denn das Gehirn erfindet eine Ordnung, wo es gar keine gibt oder macht ein Ganzes aus Teilen.

Die Wahrnehmung ist oft auch schnell und wird viel von Erwartungen, Hoffnungen, Wünschen, Befürchtungen und Ängsten gelenkt. In Gefahrensituationen kann das lebensrettend sein, aber ansonsten können “Vor”-Urteile können Erlebnisse auch verfälschen.

Aber nun ab ins Museum….wobei Museum? Das passt eigentlich gar nicht so richtig, denn im Turm der Sinne darf man nicht nur schauen, sondern anfassen und ausprobieren. Man darf tatsächlich Riechen, Schmecken, Sehen, Hören und Fühlen.

tds-hoerenHier ein paar Eindrücke aus dem Turm:

An der Station zum verzögerten Hören muss man einen Text vorlesen. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn das gesprochene Wort wird über lange Hörrohre vom Mikrofon ans Ohr übertragen – allerdings mit Verzögerung. Genau das sorgt für Verwirrung und lässt uns plötzlich ganz mächtig stottern. Warum? Weil es beim Sprechen normalerweise eine direkte Rückmeldung über das Ohr gibt. Im Experiment zeigt sich aber ein anderes als das gewohnte Verhalten. Deshalb schlägt das Gehirn Alarm. Es könnte sich ja um eine bedrohliche Veränderung in der Umwelt handeln.

Schmeckt’s?

Diese Frage kann wichtig sein. Denn der Geschmackssinn entscheidet darüber, ob wir etwas runterschlucken oder doch besser wieder ausspucken. Dafür hat die Zunge 4 Entscheidungskriterien, nämlich süß, sauer, salzig und bitter. Seit einiger Zeit ist auch noch umami dazugekommen, ein pikanter, fleischiger Geschmack von Glutamat. Geschmacksempfindlich ist nur der Zungenrand, während es der Mitte egal ist, was sie gerade berührt. Die Zungenspitze ist eher auf Süßes spezialisiert, der hinter Bereich auf bitter, aber nur leicht.

Süß, sauer, bitter, salzig und umami: Reicht das, um den Geschmack von Erdbeeren oder Bananen unterscheiden zu können? Nein, tut es nicht. Und so brauchen wir die Nase, um zum Beispiel Fruchtaromen zu erkennen. Aus dem Rachen steigt die fruchtige Luft auf die Riechepitel der Nase, wo der Fruchtgeschmack erst erkannt wird.

Im Turm der Sinne gibt es Traubenzuckerbonbons und die Anweisung, sich zwischendurch die Nase zuzuhalten. Das funktioniert – und erklärt auch, warum wir bei Schnupfen nichts schmecken.

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Dieses lustige Männlein aus dem Turm der Sinne ist eine Nachbildung des menschlichen Körpers mit den Größenverhältnissen, die der Größe der Gehirnbereiche entsprechen. Ganz viel Hirn für die Lippen, wenig für Arme und Beine, um nur ein paar Bereiche herauszugreifen.
Ballwurf

Ein Ring und drei Bälle. Logisch, die Bälle müssen durch den Ring geworfen werden. Nach ein paar Versuchen kriegt das jeder hin. Dann muss man sich eine Brille vor die Augen halten – und wirft plötzlich wie ein Depp komplett daneben. Langsam tastet man sich an die veränderte Situation ran und lernt, dass man den Ball weiter nach rechts werfen muss, als man eigentlich meint. Und so klappt es dann auch, den Ball trotz Brille in den Ring zu werfen. Nun wird die Brille wieder weggelegt und erneut geworfen. Und? Schon wieder wirft man wie ein Depp daneben! Aber auch hier schafft es das Gehirn wieder, die Rückmeldungen der Umwelt schnell zu verarbeiten, und die Treffsicherheit wieder herzustellen.

Diese Übung zeigt auf einfache Weise, wie nach einem Schlaganfall benachbarte Hirnregionen Aufgaben des geschädigten Bereichs übernehmen können.

Also auf nach Nürnberg in den Turm der Sinne – oder in die Villa Sinnenreich in Rohrbach in Oberösterreich.